Basis-Wissen: Das Linux-Wörterbuch

Thema: Allgemein, Anleitungen von mschreiber am Dienstag, den 18.03.2008

Wir haben uns gedacht, dass es eigentlich ziemlich schade ist, wenn unsere alten Heft-Artikel nutzlos herumliegen. Daher haben wir uns entschlossen, alle Anleitungen seit 2006 Stück für Stück hier im Blog einzutragen. Da allerdings nicht ausreichend Platz ist, um die Beiträge genau zu übernehmen, werden einige an den passenden Stellen aufgeteilt und ggf. gekürzt.

CHIP Linux 02/2006

Originaltitel und Autor:
Basis-Wissen - Das Linux-Wörterbuch. Von Martin Goldmann

Teil 1

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Wer von Windows auf Linux umsteigt, muss in vielen Punkten umdenken. Denn Linux ist anders
aufgebaut, die Kommandos sehen anders aus, Dateien werden anders gespeichert. Der folgende
Beitrag zeigt, was Sie für den erfolgreichen Umstieg wissen müssen.

Nach der Installation von SUSE 10 zeigt sich zunächst kein großer Unterschied zwischen Windows und Linux: eine hübsche Benutzeroberfläche, links unten ein Startmenü, rechts unten eine Uhr. Was zuerst auffällt: Zum Öffnen von Ordnern und Dateien reicht ein einziger Mausklick. Aber halt: Diese Oberfläche ist gar nicht Linux, sondern KDE, ein grafisches Frontend – das Betriebssystem Linux steckt darunter. Und genau an dieser Stelle werden die Besonderheiten von Linux deutlich.

Der Kernel von Linux

Linux basiert auf einem Betriebssystemkern, dem Kernel, der die wichtigsten Grundfunktionen des Betriebssystems abdeckt. Dazu gehört etwa das Lesen und Schreiben auf Festplatte. Zu seinem Kern holt sich Linux Module. Die sind – ähnlich wie die Treiber unter Windows – für die Kommunikation mit der Hardware zuständig.

Nicht jedes System braucht alle Module. Ein Desktop-PC kommt etwa im Normalfall ohne ein Modul für PCMCIA-Steckkarten aus. Welche Module geladen sind, können Sie jederzeit mit dem Befehl „lsmod“ überprüfen. Module lassen sich im laufenden Betrieb hinzufügen oder entfernen. Das gilt übrigens auch für viele Geräte. Linux erkennt etwa automatisch Hardware, die Sie an den USB-Port andocken.

Das Journaling-Dateisystem

SUSE Linux 10 nutzt das Journaling-Filesystem ReiserFS. Journaling-Filesysteme haben zwei unschätzbare Vorteile: Erstens protokollieren sie, welche Dateien verändert werden. Stürzt das System bei einem Festplattenzugriff ab, weiß es, welche Dateien eventuell beschädigt sind und überprüft nur diese. Das spart eine Menge Zeit. Zweiter Vorteil: Eine geänderte Datei wird erst dann gespeichert, wenn alle Transaktionen abgeschlossen sind. Statt eine Datei über einen längeren Zeitraum hinweg geöffnet zu halten, wird somit nur ein kurzer Schreibzugriff notwendig, um die Änderungen physikalisch zu speichern. Das vermindert das Risiko von Datenverlusten erheblich.

Neben ReiserFS kommt Linux auch mit anderen Dateisystemen zurecht. Die bekanntesten sind Ext2 und Ext3. Letzteres ist ebenfalls ein Journaling-Dateisystem, das ältere Ext2 sollten Sie nach Möglichkeit nicht mehr verwenden. Linux beherrscht außerdem den Zugriff auf FAT-Dateisysteme. Die bieten sich zum Datenaustausch mit Windows XP an – ein externes Laufwerk mit einer FAT-32-Partition ist der ideale Vermittler zwischen Windows und Linux. Zur Not kann Linux auch auf NTFS-Partitionen zugreifen, allerdings klappt das nur im Lesemodus zuverlässig.

Die Verzeichnisstruktur

Vergessen Sie zwei Dinge, bevor Sie sich näher mit Linux beschäftigen: Laufwerksbuchstaben und den Backslash. Den rückwärts gewandten Trenner für Verzeichnis- und Dateinamen werden Sie gewiss nicht vermissen. Stattdessen verwenden Sie in Linux einen normalen Schrägstrich im Pfad, etwa /home/testuser/datei.ext

An die Laufwerksbuchstaben werden Sie auch bald nicht mehr denken, denn in Linux gibt es nur einen Verzeichnisbaum. Sie haben also nur noch ein Wurzel-Verzeichnis, statt für jedes Laufwerk ein eigenes. Um in die oberste Verzeichnisebene zu kommen, geben Sie cd / ein. Direkt darunter befinden sich wichtige Standard-Ordner. In „/etc“ etwa stehen die Konfigurationsdateien. Unterhalb von „/bin“ stehen die wichtigsten Programme für den Einsatz in Linux, etwa die Shell oder Kommandos wie „ls“ zum Auflisten von Ordnerinhalten oder „cat“ zur Anzeige von Dateiinhalten. Unterhalb von „/usr“ finden Sie meist Anwendungsprogramme und in „/var“ stecken veränderliche Daten wie Cache- oder Logfiles.
Wichtig für Sie sind zunächst nur „/etc“ und „/home“. Denn darin stecken die Heimatverzeichnisse der Linux-Benutzer – auch Ihres. Ihr Home-Verzeichnis trägt Ihren Benutzernamen. Sind Sie also etwa als Benutzer „heinz“ angemeldet, landen Sie schon beim Start automatisch in „/home/heinz“. Neben Anwendungsdateien, etwa Texten, Tabellen oder Bildern, befinden sich darin auch Ihre persönlichen Konfigurationsdaten.

Die Geräte unter Linux

Wie gesagt: Vergessen Sie die Laufwerksbuchstaben, freunden Sie sich lieber mit dem Konzept der Devices an. Ein Grundsatz von Linux lautet: Alles ist ein Verzeichnis. So geht es auch Festplatten, CD-Laufwerken, Floppies oder dem USB-Stick. Jedes Gerät wird von einem Verzeichnis repräsentiert. Dafür zuständig ist die Verzeichnisebene „/dev“.
Bevor Sie ein Medium nutzen können, müssen Sie es mounten, also innerhalb der Verzeichnishierarchie von Linux montieren. Erst dann dürfen Sie darauf lesen und schreiben. Falls Sie etwa eine neue Festplatte einbauen, muss sie in der Verzeichnishierarchie einen Platz bekommen – mit dem Befehl „mount“. Bei einem frisch installierten Linux sind alle Festplatten bereits gemounted. Wechselmedien wie CDs oder DVDs erkennt Linux meist automatisch und mounted sie ebenfalls, sobald Sie sie öffnen. Falls es einmal nicht klappt oder Sie von der Kommandozeile aus eine CD mounten wollen, reicht unter SUSE ein mount /media/cdrom das Sie auf der Linux-Kommandozeile (Shell) eingeben. Kurz darauf ist die CD in das Dateisystem eingehängt. Damit Sie die CD herausnehmen können, müssen Sie sie erst demontieren. Das geht unter SUSE 10 mit umount /media/cdrom Übrigens sind diese beiden Schreibweisen Abkürzungen.

Die Informationen über CD-Laufwerke und die Art, sie zu mounten, holt sich SUSE aus der Datei „/etc/fstab“. Werfen Sie dort einmal einen Blick hinein mit cat /etc/fstab Dort sehen Sie eine Zeile wie /dev/cdrom /media/cdrom subfs … Diese Zeile enthält Anweisungen, was beim Befehl „mount /media/cdrom“ zu tun ist – nämlich, das Device „/dev/ cdrom“ auf den Ordner „/media/cdrom“ abzubilden. Und genau in diesem Ordner finden Sie den Inhalt der CD.

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